Die Eifersucht des Stiers

Der Genussmensch hätte am liebsten einen Harem, oder wenigstens jemanden, der kocht

Auf den feurigen Widder, der vom Planeten Mars beherrscht wird und der hauptsächlich die Ideenfindung, dann die Ausführung und Vollendung der Idee in diesem Zeichen zum Ausdruck bringt - bis hin zur Zerstörung, wenn die negative Seite beteiligt ist - folgt als nächstes Sternzeichen der gemütliche Stier, dessen Planet die Venus ist, die Liebesgöttin. Wie man sieht, schreitet der Tierkreis also vom Kriegsgott zur Liebesgöttin weiter, konträrer könnte so ein Schritt eigentlich gar nicht mehr ausfallen.

Nun ist zwar die Venus die Göttin der Liebe, aber was vielen Menschen nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass es zwei Arten von Liebe gibt, nämlich die selbstsüchtige oder egoistische Liebe und die selbstlose Liebe. Venus, als Vertreterin der körperlichen Schönheit, ist die Repräsentantin der ersten Kategorie, also der selbstsüchtigen Liebe, des Sexus, des Vergnügens. Der Vertreter der selbstlosen Liebe aber, also der höheren oder göttlichen Liebe, auch der Vertreter der Inspiration und der Kunst, ist Neptun.

Die höhere Liebe

Die höhere oder göttliche Liebe wird auch Opferkraft genannt, und mit dieser deutlichen Charakterisierung ist auch sofort klar, dass die höhere Liebe kaum etwas mit Vergnügen zu tun hat. Die Liebe, die wir etwa unseren Kindern entgegenbringen, ist höhere Liebe, ist Opferkraft. Die Erziehung ist ja bekanntlich mühsam, wie die Eltern nur zu gut wissen, aber die vielen Einzelergebnisse der Erziehung können dann schon auch sehr vergnüglich sein, wenn man sie erlebt, da Kinder uns im Gegenzug ja viel Freude bereiten.

Venus ist also die selbstsüchtige Liebe, der Sex, das Vergnügen; und Neptun die höhere Liebe, die selbstlose Liebe, die Opferkraft. Freilich können sich beide Arten auch miteinander vermischen, das wäre dann ja auch der Idealfall und kommt natürlich auch vor, aber wohl nicht so häufig. In der Literatur gibt es Beispiele genug, wo beschrieben wird, wie eine Person eine andere derart liebt, dass sie jedes Opfer auf sich nimmt, sogar den Tod.

Der Genießer

Nach diesen Ausführungen wird klar, warum der durchschnittliche Stier-Geborene, der von der Venus beherrscht wird, auch so im Besitzdenken drinnen steckt. Das Vergnügen, das Venus ihm schenkt, will er schließlich behalten. Und nicht nur er will es behalten, sondern auch wir alle, mehr oder weniger, weil ja jeder von uns auch die Stier-Anteile in sich hat, der Stier nur ganz besonders stark. Und wie Mars den Widder-Geborenen formt und prägt, so formt und prägt Venus den Stier-Geborenen. Der Widder ist meist drahtig und sehnig in seinem Aussehen, hat markante Gesichtszüge, eine schnelle Gangart und flotte Bewegungen. Der Stier hat hingegen einen rundlicheren Körperbau, ein gutmütigeres Aussehen verbunden mit einem freundlichen Blick, wobei er meistens auch gemächlich dahin schreitet. Es ist ja klar, genießen – und der Stier ist ein Genießer durch und durch - kann man grundsätzlich nicht im Eiltempo, sondern dafür braucht man Zeit.

Einen Stier sollte man besser nicht zu sehr reizen. Zuerst frisst er den Ärger in sich hinein, dann geht er zum Angriff über und versucht, alle Kontrahenten zu überennen.
Einen Stier sollte man besser nicht zu sehr reizen. Zuerst frisst er den Ärger in sich hinein, dann geht er zum Angriff über und versucht, alle Kontrahenten zu überennen.

Übrigens, wenn hier vom Stier oder vom Widder die Rede ist, später dann auch noch von allen anderen Zeichen, so ist immer der Stier-Mensch, der Widder-Mensch, der Zwillinge-Mensch usw. gemeint, der bekanntlich ja aus Mann und Frau besteht. Und wenn z.B. bei der Erwähnung des Begriffes „Stier“ mehr an den männlichen als an den weiblichen Teil gedacht wird, so ist das auch beabsichtigt, weil der männliche Teil in der Charakterisierung meist etwas stärker und auffälliger in Erscheinung tritt als der weibliche, was sicherlich hauptsächlich mit der Grundtendenz der männlichen Aktivität gegenüber der weiblichen Passivität zusammenhängt.

Vielleicht auch mit der Körpergröße, kann sein. Und wenn im vorigen Kapitel davon die Rede war, dass ein vor Eifersucht Wut entbrannter Widder seinen Kontrahenten am liebsten auf der Stelle mit einem Maschinengewehr durchlöchern würde wie einen Schweizer Käse, so hat bestimmt niemand daran gedacht, dass Widder-Frauen auch so handeln würden, nicht wahr? Denn erstens kennen sich Frauen mit so einem Mördergerät gar nicht aus - und wenn doch, scheinen ihnen durch die angeborene Passivität im Wesenszug die zehntausend Nadelstiche als Rache - immer noch sicherer und Ziel führender zu sein als so überbrutale Exzesse, bei denen das Blut in Strömen fließt, wovor es ihnen ja ekelt. Freilich bestätigen auch hier die Ausnahmen die Regel.

Das Schöne und das Geld...

Durch die körperliche Schönheit und die Genussfähigkeit der Venus, die auf den Stier mehr oder weniger abfärbt, je nach Entwicklung, gefällt ihm alles Schöne, das ihn umgibt. Als bodenständiger Mensch, der mit zwei Beinen auf der Erde steht, ist das Schönste für ihn zuerst einmal sein Geld, sein Haus und sein Besitz, weil ihm das seine Sicherheit gibt. Er denkt eben logisch und sagt sich, wenn ich das Geld nicht habe, kann ich mir die Genüsse nicht leisten, die ich gerne hätte. Deshalb arbeitet der Stier auch schwer, um immer genug von diesen Geldscheinen zu besitzen. Er verehrt sie geradezu. Kommen sie arg zerknüllt oder zerknittert in seinen Besitz, wird er sie mit seinem Bügeleisen glattbügeln, sobald er Zeit dafür hat, weil er so einen jämmerlichen Zustand seiner hochgeliebten Papierscheine nicht ertragen kann.

Wenn wir zwischendurch die beiden ersten Sternzeichen in Hinblick auf deren Lebensziel miteinander vergleichen, den Widder und den Stier, so kann man sagen, der Widder arbeitet schwer, um seine Ideen umzusetzen. Und der Stier arbeitet schwer, um sich seine Genüsse leisten zu können. Tja, meine Damen, so fundamental unterschiedlich können Männer sein, schon die beiden ersten Kategorien. Sie haben die Wahl.

Liebe geht durch den Magen

Aber schon als nächstes in seiner Liebesliste kommt dann seine Partnerin - sei sie seine Frau oder Freundin - der er gerade wieder mehrere Garnituren sündteurer Unterwäsche gekauft hat, die sie ihm nach dem Essen dann vorführen muss. Dass das Essen nicht an zweiter Stelle steht, sondern seine Partnerin, ist aber nur dem Umstand zuzuschreiben, dass seine Partnerin ja profimäßig gut kochen können muss, weshalb Frau und Essen für ihn praktisch ein und dieselbe Kategorie sind.

Eine Frau, die nicht kochen kann, ist für den Stier absolut unliebenswert, da könnte sie Busen haben, so viel sie will, oder was weiß ich, noch alles. Kann eine Frau aber kochen, gefällt ihm jede, und das ist nicht übertrieben. Durch seinen überstarken Sexualtrieb, den die Venus ständig in ihm verursacht, muss für ihn eine Frau auch nicht in der Gesamtheit eine Schönheit sein, sondern er begnügt sich mit Einzelheiten, die er für schön hält, wobei die in ihm genau so die Anziehung verursachen wie das Gesamtheitschönheitsbild einer Frau.

Ein echter Casanova

Er ist eben ein Feinspitz, schaut aber alles andere aus als ein Adonis. Ein behaarter Unterarm z.B. kann ihn antörnen, überlange Zehen, spitze Knie, ein abstehendes Ohr, eine etwas schiefe Nase, ein kolossaler Pferdehintern, oh, dadurch kann er geradezu in Verzückung geraten, weil ihm diese individuellen Ausgestaltungen, die von anderen Männern vielleicht als Makel empfunden werden, genauso in Verzückung versetzen können. Für ihn sind das alles Einzelkunstwerke am lebenden Objekt.

Er ist eben ein echter Casanova und Frauenkenner. Am liebsten wäre ihm ja, er könnte sich um alle Frauen der Welt „kümmern“, aber er ist Realist genug, einzusehen, dass sich das mit seiner Lebenszeit nicht mehr ausgeht. Deshalb begnügt er sich mit allen schönen Frauen in seiner Umgebung, die er wenigstens alle optisch einverleibt und in seinem Kopf abspeichert. Und auf diese Weise gehören sie eigentlich alle ihm.

Deshalb ist für ihn Eifersucht eigentlich auch kein großes Thema. Denn überlegen Sie einmal, wenn Sie als Mann einen Harem besitzen würden von sagen wir 50 Frauen oder sogar noch mehr - wenn auch nur virtuell - dann ist es ja völlig belanglos, wenn Ihnen eine abhandenkommt, oder? Außerdem bildet sich der Stier ja ein, einer Frau alles zu bieten, was sie sich wünscht. Na also. Denn nur er kann Frauen wirklich glücklich machen, denkt er. Warum sollte sie ihn also hintergehen? Der Gedanke ist absolut absurd.  

Ein Stier sieht Rot

Wenn seine Köchin es aber trotzdem wagen sollte, ihn zu verlassen wegen eines anderen, dann sieht er allerdings plötzlich rot, der Stier, genauso wie in einer Stierkampfarena, denn das ist für ihn völlig unbegreiflich und setzt sein Gehirn augenblicklich außer Kraft. Er reagiert nun völlig hirnlos. Fliehen Sie, fliehen Sie, alle beide, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist! Denn er wird rasend vor Wut losgaloppieren, sie beide auf die Hörner nehmen, aufspießen und über die Arenamauern schmettern. Ein Verzeihen gibt es nämlich nicht, ein Vergessen auch nicht, und wenn doch, dann ist es gelogen. Ich habe Sie hiermit gewarnt, meine Damen und Herren. Also nehmen Sie dieses Thema nicht auf die leichte Schulter, seien Sie zumindest überaus vorsichtig, aber am besten lassen Sie es überhaupt bleiben.  

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