Die Eifersucht der Jungfrau

Manchmal sieht die ordnungsliebende Jungfrau den Wald vor lauter Bäumen nicht...
Die Eifersucht der Jungfrau | Foto: © Nejron Photo - Fotolia.com

Jungfrauen sind fleißige und vernünftige Menschen, die die Welt weniger in ihrer Gesamtheit, als vielmehr in allen Einzelheiten wahrnehmen und auffassen. Das Sprichwort, den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen können, kann hier eigentlich in vielen Fällen treffend angebracht werden. Ihnen entgeht sozusagen kein Detail im Leben. Was ja unbestritten in vielen Bereichen von großem Vorteil ist. Vom Putzen angefangen bis hin zur wissenschaftlichen Analyse.

Vom Aussehen her haben viele Jungfrauen eine etwas lässige Haltung, und manchmal dabei auch noch auffällig herabhängende Schultern, weshalb man den Eindruck gewinnen könnte, das rühre davon her, weil sie das Gewicht der Welt niederdrücke. Tja, und das hat etwas auf sich, was oft so die Gemütsverfassung der Jungfrauen betrifft, die wohl stark mit ihrem angeborenen Wesen zusammenhängt, alles bis in alle Einzelheiten zu analysieren und zu zerlegen.

Abschalten ist nicht so einfach...

Wenn sie zum Beispiel stundenlang ihre Wohnung abgestaubt haben, dann erschöpft sind und sich niedersetzen, um sich auszuruhen, aber gleich darauf bemerken, was sie noch alles übersehen haben oder übersehen haben könnten, und dann weiteres daran denken, dass dieselbe stumpfsinnige Arbeit demnächst wieder ansteht und letztlich wieder ziemlich unbefriedigend verlaufen wird, dann kann sie das manchmal schon niederdrücken. Im Gegensatz zu einem ausgeflippten Typ zum Beispiel, der den Staub gar nicht sieht und sich deshalb auch gar nicht erst ans Abstauben macht. Ja, das sind bereits so Gegensätze, wie man sieht, die in manchen Lebensgeschichten schon spannende und würzige Auseinandersetzungen auslösen können.

Von der Figur her sind sie schlank und mittelgroß, die Gewichtszunahme zur Gesetztheit erfolgt dann aber doch noch oft in späteren Jahren. Das Haar ist vielfach leicht gewellt. Sie wirken meistens etwas nervös, sind sehr beweglich und haben immer einen sachlichen und nüchternen Blick in ihren sanften Augen.

Die Vernunft in Person.

Letztere Charakterisierung mit dem nüchternen Blick ist ein Hauptmerkmal von ihnen, denn alles, was sie unternehmen, geschieht tatsächlich unter dem Blickwinkel der Vernunft. Ihr Leben verläuft also immer durch und durch vernünftig und auch ordentlich, was natürlich genau und exakt das Gegenteil von ausgeflippt ist. O. k.? Sie sind so gewissenhaft ordentlich, dass sie sogar noch im Papierkübel Ordnung machen, und das ist wirklich nicht übertrieben. Denn wie schaut denn das aus, wenn im Papierkorb alle Papierstücke so durcheinander geschmissen drinnen herumliegen und nach allen Seiten sich unsymmetrisch ausbreiten! Das ist doch das reinste Chaos, und damit wollen sie absolut nichts zu tun haben.

Damit Sie also gleich wissen, woran Sie sind. Falls Sie einen ausgeflippten Typ suchen für Ihr künftiges Zusammenleben, dann müssen Sie sich woanders umsehen, etwa bei den Wassermännern, bei den Jungfrauen ist diese Suche absolut vergeblich.  

Ohne Zweifel hilsbereit.

Und zweitens, da die Jungfrauen das nächste Erdzeichen nach dem Stier sind, - was bedeutet, dass sie sehr materiell gesinnt sind – ist bei ihnen immer die Überlegung dabei, ob sich eine Handlung, die sie ausführen müssen, auch rentiert. Schließlich ist bei einer Handlung doch eine Anstrengung damit verbunden. Wird sie also etwas bringen, diese Anstrengung, vom materiellen Standpunkt gesehen? Ist sie ein Gewinn? Und wenn ja, wie viel könnte dann dabei herausspringen? - Was natürlich nicht heißt, dass sie nicht auch hilfsbereit sein könnten und wohltätig für die Allgemeinheit, durchaus nicht. Sie können sich sogar mustergültig und überdurchschnittlich hilfsbereit verhalten, o ja. Denn ihr Handlungskriterium lautet ja materiell vorteilhaft „oder“ vernünftig, - und nicht „und“. Also fragen sich die Jungfrauen immer, ob eine Handlung vernünftig „oder“ materiell vorteilhaft ist. Aber nicht „und“, wie gesagt, denn „und“ hieße ja, dass eine Handlung gleichzeitig vernünftig und materiell gewinnbringend sein müsste. So sind sie nicht, Gott sei Dank, durchaus nicht.

Auf „oder“ sind sie eingestellt, aber eines dieser beiden Kriterien muss erfüllt werden, das schon, und dabei sind sie konsequent. Wenn also eine Handlung materiell nichts bringen sollte, dann muss sie wenigstens vernünftig sein, sonst wird sie nicht ausgeführt. Und eine Handlung für wohltätige Zwecke fällt für sie durchaus in den Vernunftbereich.

Wieder fällt uns hier ein ungewöhnlicher Gegensatz auf. Das materialistische Streben der Jungfrauen, das von den idealistisch gesinnten Menschen abgelehnt wird, hat bei den Jungfrauen am anderen Ende doch ein idealistisches Empfinden zur Folge, und das kann man doch als sehr löblich einstufen.

Ideen nehmen schnell Formen an.

Auch für die Jungfrauen ist der zuständige Planet der Merkur, der sie prägt, wie bei den Zwillingen. Aber die Auswirkungen sind ganz andere. Die Jungfrauen sind Erdzeichen, die Zwillinge Luftzeichen. Intelligent sind beide Zeichen, die sich mündlich wie schriftlich gut ausdrücken können. Die Sprache ist für beide ein Werkzeug, die sie auch gerne zur Anwendung bringen oder mit der sie auch gerne spielen. Aber die Wesensunterschiede sind, generell gesehen, trotzdem sehr groß. Auf das Luftzeichen Zwillinge wirkt der Merkur in erster Linie Ideen bringend, doch die vielen Ideen, die er ihnen bringt, werden nicht immer angenommen oder ausgeführt. Denn der Wind, der bei den Luftzeichen, man könnte sagen,  immer schicksalhaft gegenwärtig ist, hat bei ihnen sehr oft leichtes Spiel und kann ihnen deshalb die geschenkten Ideen mit Leichtigkeit ungenutzt davon blasen. Luftzeichen sind eben nicht immer konsequent bei ihren Ausführungen und vergeuden auf diese Weise viele Ideen. Aber ihnen macht das nicht viel aus, weil sie es ja gewohnt sind, dass der Merkur sie gleich darauf wieder mit neuen Ideen verwöhnen wird.

Jungfrauen sind in dieser Beziehung eben ganz anders. Bei ihnen fällt so eine Idee, die ihnen der Merkur bringt, gleich in die aufbereitete Erde hinein und muss deshalb nicht lange in der Luft herum wirbeln, wo sie dann möglicherweise wieder ganz leicht verschwinden könnte. Nein, bei den Jungfrauen wird so eine Idee meistens gleich fruchtbar. Denn wenn die Idee materiell viel versprechend sein sollte oder vernünftig, dann wird sie von den Jungfrauen gleich liebevoll umsorgt und behütet, weshalb der Wind dann absolut erfolglos herumblasen wird.

Geld regiert ja bekanntlich die Welt.

Die Sparsamkeit der Jungfrau ist oft schon legendär. Foto: © Ingo Bartussek - Fotolia.com
Die Sparsamkeit der Jungfrau ist oft schon legendär. Foto: © Ingo Bartussek - Fotolia.com

Die viel beobachtete übertriebene Sparsamkeit bei Jungfrauen ist natürlich bei den anderen, denen das auffällt und die sich einbilden, nicht so zu sein, ein beliebtes Thema beim Leuteausrichten. Ach Gott, was es da nicht alles für Geschichten gibt. Es ist natürlich klar, beim unüberlegten Geldhinausschmeißen ist keine Jungfrau dabei, das würde ihrem Wesen total widersprechen. Wenn sich beispielsweise einmal so eine größere Runde ergeben hat nach einem internen Tennisturnier etwa, wo dann in der geselligen und fröhlichen Gemeinschaft eine Runde nach der anderen gezecht wird, weshalb dann die Reihe längst auch schon an die Jungfrau gekommen wäre, eine zu bezahlen, - tut sie aber weiterhin nichts dergleichen, sie zahlt nichts, so ist das.

Weil sie sich absolut nicht betroffen oder zuständig fühlt, auch wenn mehrere andere Leute schon zwei Runden bezahlt haben. Man kann das von einer Jungfrau einfach nicht erwarten. Denn erstens wäre sie schon längst nach Hause gegangen, wenn sie die anderen nicht massiv daran gehindert hätten. Zweitens ist ja ihre Einstellung die, dass so viel zu trinken völlig ungesund ist und deshalb unvereinbar mit ihrem Gesundheitsbewusstsein. Drittens wird, da alle schon längst besoffen sind außer der Jungfrau natürlich, nur mehr völliger Blödsinn gequatscht, der schwer erträglich ist. Viertens verabscheut sie ordinäre Ausdrücke, die nun immer häufiger fallen, je länger das Gelage anhält, - nun sind auch schon Obszönitäten dabei, whä! Fünftens ist es schade um die Zeit, die hier verschwendet wird, da ist ja Staubsaugen noch besser. Sechstens wird sie der Kellnerin, die hauptsächlich und provokativ aus Titten besteht, keinen Groschen Trinkgeld geben. Siebentens bekommt besagte Animierdame auch das nächste Mal kein Trinkgeld, weil sie die schon völlig besoffenen Männer mit ihren Reizen noch zum Weitersaufen verleitet. Achtens bekommt dieses unintelligente Tittengeschöpf überhaupt nie mehr ein Trinkgeld, weil nur wegen ihr die Männer nicht ans Nachhausegehen denken. Neuntens befürchtet die gesittete Jungfrau nun auch noch, dass dieses Gelage bald in eine Sexorgie ausarten wird, wonach sie dann aber ganz sicher aus dem Tennisklub austreten würde, um nicht noch einmal in so eine peinliche Situation hineingezogen zu werden.

Ehrlichkeit ist das A und O.

Womit wir wohl oder übel beim Thema Sex angelangt sind. Im vorigen Satz ist die Jungfrau diesbezüglich schon charakterisiert worden, wo sie als gesitteter Mensch bezeichnet wird. Ja, und das stimmt und das gibt es tatsächlich noch, nämlich gesittete Menschen, auch wenn viele es nicht für möglich halten würden. Den Begriff „Jungfrau“ kann man hier übrigens auch wörtlich nehmen, und das gilt für Frauen und Männer im Sinne von rein und keusch. Und die Reinheit und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in der Liebe ist für Jungfrauen eine Grundvoraussetzung für eine Beziehung.

Ist das nicht gegeben, dann wird nichts werden damit, ganz sicher nicht, dann verzichten sie lieber, und das können sie auch, jawohl, verzichten, allen Ernstes. Sie bringen es tatsächlich zusammen. Diejenigen Leute, die in der Kirche das Zölibat eingeführt haben, sind ganz sicher Jungfrauen gewesen, es kann gar nicht anders sein. Aber wenn die idealen Voraussetzungen stimmen, die sie unbedingt verlangen, dann sind sie von anderen Paaren kaum zu unterscheiden. Aber wie gesagt, stimmen die Voraussetzungen nicht, dann wird nichts mit einer Beziehung. Dann sind die sexuellen Akte für sie hauptsächlich irgendwie unvernünftig, und auch nicht immer gar so appetitlich oder hygienisch. Abgesehen natürlich davon, wenn man ein Kind will, dass es dann einmal notwendig ist, logisch. Aber die sexverlorenen Menschen sind in ihren Augen doch völlig ausgeliefert diesem Trieb, die machen sich doch irre, um diesen Trieb zu befriedigen. Und dann, wenn er befriedigt ist? Was ist dann? Dann geht es am nächsten Tag schon wieder von vorne los! Und was hat man gewonnen nach dem so genannten Akt? Gar nichts, absolut gar nichts. Also das Ganze ist wirklich furchtbar und im Grunde lächerlich für sie, - und „unvernünftig“ ist für diese „Tätigkeit“, für dieses unkontrollierten Ausgeliefertsein, ein noch harmloser Begriff.

Gut durchdachte Rachepläne können nicht misslingen!

Aber täuschen Sie sich nicht, was die Eifersucht betrifft. Man könnte ja meinen, dass dies kein Thema für die Jungfrauen wäre. Freilich tritt diese Problematik bei Jungfrau-Geborenen nicht sehr häufig auf, denn sie prüfen ja gründlich, bevor sie sich binden. Ist nun eine Jungfrau aber tatsächlich hintergangen worden, dann ist sie schwer betroffen davon. Aber nicht aus gekränkter Eitelkeit, sondern deshalb, weil ihr ein solcher Fehler in der Analyse ihrer einst im Frühstadium geliebten Person passiert sein muss. Ihr, der Meisterin der Analyse.

Sie hat also irgendeinen schwachen Punkt nicht bemerkt bei ihrem Partner, und das ist für sie unverzeihlich, sie kann sich das selbst nicht entschuldigen. Im Grunde ist sie zorniger auf sich selbst als auf ihren Partner. Was aber ihrer Rache keinen Abbruch tut. Und bedenken Sie, eine Jungfrau ist materiell gestimmt und deshalb Besitz ergreifend. Sie lässt sich ungestraft nichts wegnehmen, sie lässt sich absolut nicht bestehlen. Und nun nimmt sie Merkurs Hilfe in Anspruch, der ihr die Ideen liefern wird, wie vorzugehen ist gegen alle, die am Betrug beteiligt waren und die geglaubt haben, sie können eine Jungfrau hintergehen …         

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