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Glaube an das Gute

Eine Weihnachtsgeschichte von Jasmin Hübschen-Kabuth
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Glaube an das Gute

Eine Weihnachtsgeschichte von Jasmin Hübschen-Kabuth
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Glaube an das Gute

Letztes Jahr im November wurde ich aus meinem Leben gerissen. Alles ist seitdem anders. Ich stürzte in ein tiefes Loch, ich hatte einen anhaltenden Dauerschwindel. Es begann ein Ärztemarathon, ich war bei so vielen Ärzten, im Krankenhaus, niemand konnte mir erklären, wieso es mir so schlecht ging.

Ich bin Mutter von vier Kindern, darum war es besonders schwer, plötzlich nicht mehr klarzukommen. Zu dem Schwindel gesellten sich andere körperliche Symptome. Doch am schlimmsten war die Angst. Ich weiß noch ganz genau, wie ich eine Nacht lang durch die Dunkelheit gelaufen bin, um dieses Gefühl loszuwerden. Nichts half.

Am nächsten Tag gesellten sich zu der Angst Panik und Weinanfälle. Irgendwann konnte mein Mann das nicht mehr mit ansehen. Er fuhr mich zum Arzt und dann ging alles schnell: Tasche packen, duschen, bei den Kindern verabschieden. Ich habe zu diesem Zeitpunkt weder Freunde noch Bekannte hier in dem kleinen Ort gehabt, in welchem wir seit fünf Jahren leben, ich habe auch nicht mehr an die Menschen geglaubt und das sich mal jemand für mich, für uns interessieren könnte, hielt ich für unmöglich.

Nun saß ich also mit Mann und Nachbarin im Auto. Als wir ankamen, stand ich vor einem Krankenhaus und landete auf der geschlossenen Station einer Psychiatrie.

Nach ersten Gesprächen sagten mir die Ärzte, dass ich unter schweren Depressionen leide, dass ich bis in die Weihnachtszeit in der Klinik bleiben müsse.

Ich war geschockt, aber auch erleichtert zu wissen, was los war.

Ich lag nun da, zwischen lauter psychisch kranken Menschen und sorgte mich sehr um die Kinder, noch nie waren wir solange getrennt und noch nie waren sie solange allein mit dem Papa.

Wie sollen sie das alles schaffen? Wir sind doch alleine, niemand mag uns, niemand würde uns helfen!

Mein Mann nahm sich erst mal unbezahlten Urlaub, das war im Nachhinein dumm, denn Geld hatten wir noch nie viel. Und es war Winter, wir brauchten Öl, Weihnachten stand vor der Tür.

Wie soll das alles nur werden?

Dann war natürlich das Öl alle, der Ofen aus, wir haben nichts Gespartes. Niemand, der helfen konnte, mussten wir jetzt etwa zum Amt? War das die Lösung? Ich fühlte mich so schuldig am Leid meiner Familie, stempelte die gesamte Menschheit, als gemein, fies und lieblos ab.

Doch dann sollte ich eines besseren belehrt werden.

Jeden Tag kam ein anderer Nachbar zu meinem Mann, um ihm zu helfen. Es wurde gekocht, eingekauft, geputzt und als ich das erste Wochenende heim durfte, und ich schon am Verzweifeln war, wie ich bloß die zwei Stunden Fahrt mit Zug und Bahn bewältigen sollte, holte mich ein bis dahin fast unbekannter Nachbar ab. Das machte er von nun an jedes Wochenende. Samstags holte er mich und sonntags fuhr er mich zurück zur Klinik.

Als ich ankam, erzählte mein Mann mir freudestrahlend, dass wir Öl bekommen und dass dafür alle Nachbarn zusammengelegt hatten. Aber das war noch nicht alles: Wir bekamen die Nebenkosten von unseren Vermietern erlassen, es wurde ein Spendenkonto angelegt und eine Haushälterin engagiert, die sich auch um die Kinder kümmern konnte. Eine Nachbarin schenkte uns eine neue Couch, die andere fuhr mit mir zum Zahnarzt, als ich kurz vor Heiligabend höllische Zahnschmerzen hatte und hielt meine Hand.

Plötzlich waren wir nicht mehr allein. Ich habe seitdem liebe Freunde in der Nachbarschaft und ich bin nicht mehr allein. Ich konnte Weihnachten bei meiner Familie verbringen und ein jeder war für uns da! Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht gesund war, wusste ich, dass die Menschen nicht schlecht sind, es gibt so gute Menschen und Nächstenliebe auf dieser Welt, man muss nur die Augen offen halten und die Hoffnung niemals aufgeben!

Letztes Jahr zu Weihnachten, als ich fast schon gestorben war und nicht mehr an das Gute im Menschen glaubte, hat eine Krankheit mir geholfen, wieder zu leben. Ich danke allen Menschen, Freunden, Pflegern und Ärzten, die an mich geglaubt haben. Ich werde euch nicht enttäuschen und trage gerne das wirklich Wichtige in die Welt weiter, nicht nur zu Weihnachten, immer.

Glaubt an die Menschheit und gebt euch nicht auf, schaut genau hin, denn auch etwas Schlimmes kann zu etwas Gutem werden.

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