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Astrologie als Erfahrungswissenschaft

Von astromant [19.04.2004 23:06]

IST DIE ASTROLOGIE EINE WISSENSCHAFT?
Die Frage „Ist die Astrologie eine Wissenschaft?“ ist angebracht; eine Erfahrungswissenschaft ist sie sicher allemal. Ich würde Astrologie als ein hochinteressantes Forschungsthema bezeichnen. Die Forschungsergebnisse verdienen meiner Meinung nach durchaus Beachtung. Der letzte Lehrstuhl verschwand von der Universität ungefähr um die Jahrhundertwende, als die Labors entstanden. Sie hat dennoch als Basis der modernen Medizin und der modernen Psychologie die Akademie über den Anfang dieses Jahrhunderts hinaus begleitet. Man kann das durchaus erkennen, wenn man z. B. in der Düsseldorfer Universitäts-Bibliothek stöbert. - In Riga gibt es bereits einen Lehrstuhl, in Holland sind Bestrebungen im Gange. Ich könnte mir vorstellen, daß der nächste irgendwann in Zürich entsteht (eine Doktorarbeit über die Divination mit Tarot-Karten gibt es dort bereits).
Es gibt zwar bis heute in Deutschland keinen neuen Lehrstuhl für Astrologie - aus welchen Gründen auch immer - , nichtsdestoweniger liegt eine Doktor-Arbeit vor. Ein Sportmediziner einer Universität (Bielefeld?) hat als „Doktor-Vater“ die Genehmigung der Arbeit bei den Dekanen der anderen Universitäten durchgeboxt. Die Doktor-Arbeit von Dr. Niehenke (1984 oder 1986) konnte nach mehreren tausend Jahren Erfahrungswissenschaft nicht viel Neues bringen. Sie weist wohl einmal mehr nach, daß Statistiken für oder gegen die Astrologie ausgehen wie das Hornberger Schießen. Die Computer-Zeit-Kosten von mehreren Hunderttausend Mark waren der Grund für eine längere Korrespondenz über das Für und Wider der Genehmigung. Die Korrespondenz dürfte in jeder Universitäts-Bücherei einzusehen sein. Daraus ist u. a. zu entnehmen, daß längst nicht alle Dekane mit den Ergebnissen ihrer naturwissenschaftlichen Fakultät einverstanden sind und u. a. sich eine fakultäten-übergreifende Zusammenarbeit mit Erfahrungswissenschaftlern a) vorstellen können und b) wünschen.
Es ist darauf hinzuweisen, daß ein Problem der Astrologie als Schritt in Richtung akademische Wissenschaft darin besteht, eine Methode zu finden, mit der man Potentielles überprüfen kann. Aber: Die Psychologie beispielsweise kennt nicht meßbare Innenwelten. Die Physiker entdecken seit Ende der 80-er-Jahre die Welt neu. Wir haben da eben alle nur zu staunen und zu beobachten. Keine Wissenschaft arbeitet mit nur einer Methode. Die Menschheit ist auf der Zwei aufgebaut, alle Sprachen der Welt bestehen aus der Aneinanderreihung von 25 Buchstaben. Geben wir also den Gedanken auf, mit nur e i n e r Methode auszukommen!

Gauquelin hat seine Statistiken im Auftrag einer Universität ermittelt, die die Astrologie in Mißkredit bringen wollte. Er ließ sich von den Professoren genau erklären, worauf er zu achten hätte.
Die ersten Untersuchungsergebnisse paßten den Auftraggebern gar nicht. Man überbot sich danach hier wie da in Zahlenermittlung und Gegendarstellung. Die beratende bzw. forschende Astrologie hat auf diese Weise eine große Menge Statistikmaterial zur Verfügung, die auf die eine oder andere Weise in die heutige Deutung mit einfließt. Die Psychologie verwendet auch Statistiken zur Rechtfertigung ihrer Annahmen. Jede Statistik, jeder „Forschungsstoff“ sieht von jedem Standpunkt aus anders aus. „Frau Holle“ ist als Märchen für die einen ein Lesestoff für Kinder, für die anderen (Drewermann) eine Darstellung des Sonne-Mond-Prinzips, eines Denkmodells, das sich durch alle Kulturen zieht und hohen spirituellen, auch religiösen Gehalt hat.
Der astrologische Tierkreis ist ein Denkmodell, eine Lehre vom Idealbild, eine Kraftfeld-Theorie, von daher dem Schach-Motiv nicht unähnlich. Er erleichtert dem beratenden Astrologen ebenso wie dem ganzheitlich denkenden Mediziner, Psychologen oder Homöopathen das meditative Nachdenken über einen Menschen bzw. die Qualität der Zeit, unter der ein Ereignis stattfindet oder die Geburt eines Menschen, d. h. eines menschlichen Organismus, passiert. Für den Biochemiker, den ich in einer Arbeitsgruppe an der Düsseldorfer Uni traf, ist das Horoskop eines Menschen zu sehen wie die Darstellung einer Säure, links- oder rechtsgedreht. Ein Psychologe aus derselben Gruppe machte sich Gedanken über Psycho-Rhythmen im Menschenleben und entdeckte die gleichen Rhythmen, wie der Astrologe sie auch studiert, wenn Spiegelpunkte im Zeithoroskop eines Klienten wirken. Mein Freund produziert ein Astrologie-Programm für Computer. Die Benutzerliste wird Skeptiker erstaunen, denn ein hoher Anteil der Benutzer sind Ärzte, Therapeuten, Homöopathen und Apotheker.
Der Astrologe setzt sich auf verschiedene Weise mit der Natur der Welt und der Natur des Menschen auseinander, wie der gut fundierte Aufsatz von Herrn Peter Ripota im Sonderheft Astrologie des PM-Magazins zeigt. Wenn der Laie vom „Wirken der Sterne“ liest und hört, müssen leider immer wieder zunächst verschiedene Dinge erklärt und Unklarheiten beseitigt werden. Die Erklärungen berühren Dinge wie Keplers Lehre von der Weltharmonie oder die heutige Quantenphysik und die Chaosforschung. Die Astrologie lehrt, daß Dinge, die wir sehen, in Zusammenhang stehen mit Dingen, die wir nicht sehen. Astrologen sprechen untereinander vom „Wirken der Planeten“, weil sie nicht immer den ellenlangen Satz wiederholen wollen: „Es hat sich in den letzten Jahrtausenden/Jahrhunderten gezeigt, daß, wenn die Planetenformation ...X...Y... im (hochgerechneten oder im Geburts-) Horoskop eines Menschen erscheint, der Mensch zur Handlungsweise ...A...B.... tendiert und u. U. deshalb die Vorkommnisse ... C ... D ... auf sich zieht“ .
Eben über diese Planetenformationen werden Erfahrungen gesammelt und beim Deutungsgespräch und in der Analyse-Ausarbeitung verarbeitet. Müßig eigentlich, sich über Landscheidt-Themen und Seymour-Forschungen zu zanken. Vielleicht fällt uns (und auch den Skeptikern) das Erkennen, ob die Planeten auf die Sonne oder auf die Erde „wirken“ nur deshalb nicht leicht, weil es (Pardon!) dem Menschen schon immer schwerfiel, Dinge zu erkennen, die er klar vor Augen hat ... Wir sind ein Teil des Kosmos, des Universums, so lehren uns manche abendländischen und asiatischen Weltbilder. Von Hawking, Bohm und anderen hören wir es heute wieder.
Möglicherweise ist die Sache ganz anders, vermutlich um einiges komplizierter. In der Philosophischen Fakultät der Düsseldorfer Universität hing Ende der 80er Jahre ein Schild; ich gebe den Text sinngemäß wieder: Das Geheimnis des Universums ist unfaßbar. Wird es erfaßt, so wird es automatisch durch etwas neues Unfaßbares ersetzt.
Mein Fazit: Die Ratio allein hilft nicht immer. Wissenschaftler jeder Couleur sollten Wissen schaffen, nicht verhindern. Mir erscheint das Verhalten von Wissenschaftlern, die Erkenntnisse der astrologischen Forschung einfach abtun, genauso fragwürdig wie das Verhalten von Astrologen, die im Gespräch von Mensch zu Mensch Einfühlungsvermögen und Philosophie (Astrosophie) vergessen. Vor kurzem (1997) war noch in der „Rheinischen Post“ ein Aufsatz von Ellis (USA) über Ratio-emotionale Therapie zu lesen. Ellis findet es m. E. zu Recht unpassend, Psychologie und Philosophie zu trennen ...
Eigentlich gibt es gar nicht viel, was Astrologen und Wissenschaftler trennt. „Insider“ wissen das. Wir brauchen Forschung in jeder Weise. Jeder Astronom freut sich, wenn er im Rahmen einer TV-Talkshow - mit einem Astrologen scheinbar kontrovers diskutierend - auf seine Berufsgruppe oder seine Sternwarte aufmerksam machen kann. Das Licht der Sterne, das wir sehen, ist 3000 Jahre alt, wenn wir es sehen. Dennoch: Kein Astronom, demzufolge auch kein Astrologe, kann genau berechnen, wo Pluto steht ... Und: Wissen wir wirklich, was wir sehen? Trotzdem ist nebenbei erwähnt für mich hochinteressant, daß es Hobby-Astronomen waren, die den Jupiter-Beschuß eher kommen sahen als die Wissenschaftler hinter ihren Riesen-Teleskopen. Für die Harmonie unserer Welt hätte eine gravierende Beschädigung des Jupiter fatale Folgen gehabt. Das Universum und seine Gezeiten haben wir noch lange nicht im Griff.
Wenn man sich nicht auf eine Formel wie z. B „Zwei und zwei = Vier“ geeinigt hätte, wäre Schulrechnen gar nicht möglich. Das gesellschaftliche, politische und finanzielle Leben zeigt aber häufig, daß Zwei und zwei = Fünf minus Eins ist; eine Formel zwar, mit der sicher kein Brückenbau-Ingenieur je eine Brücke bauen kann, aber eine Formel, nach der das Leben privat, in der Politik, der Gesellschaft und im Finanzwesen häufig läuft.
Als Paracelsus sinngemäß sagte: „Ein guter Medicus muß ein guter Astrologus sein“ hat er sicher auch an das Decombitur gedacht, das Horoskop für den Krankheitsverlauf. Er meinte wohl vielmehr auch den Astrologus, der am mittelalterlichen Fürstenhof Forschungsarbeit im Turmzimmer verrichtet hat und gleichzeitig Astronom, vielleicht auch philosophisch-psychologischer Berater seiner manchmal seelisch recht einsamen Arbeitgeber war. (Literaturtip: Verschlußsache Magie, Baigent/Leigh, Verlag Droemer Knaur, Sie werden staunen!)
80 % der Therapien scheitern, so las es mir Ende der 80-er Jahre ein Psychologe in der Heine-Universität aus einer Fachzeitung vor. Von der Seite der Psychologen ist also bezüglich Astrologie kein Rat zu erwarten. Sollen Psychologen sich etwa brotlos machen und ihre Klientel zum Astrologen schicken? Gerade jetzt, in einer Zeit, da in Amerika ca. 11.000 Astrologen (Quelle: Meridian) praktizieren und die dortige Psychiater-Welle aus den 70er und 80er Jahren abebbt, weil Astrologie billiger und sanfter ist? Selbstverständlich hat Astrologie dort ihre Grenzen, wo der Astrologe, die Astrologin seine/ihre Grenzen hat. Klar ist sicher auch, daß gleichzeitig die Aufnahmefähigkeit des/der Klienten/in den Erfolg einer Beratung mitbestimmt. Die ewig Skeptischen wollen die Astrologen nach Hause schicken? Sollen wir diesen Ideen folgen und demzufolge die Soziologen nach Hause schicken ob des Zustands unserer Gesellschaft? Sollen die medizinischen Labors und Fakultäten ihre Arbeit einstellen, weil gegen Aids und Krebs noch keine Medikamente gefunden sind? Schicken wir die Ärzte nach Hause, weil zwei Drittel der Krankheiten nicht geheilt werden können? Sollen wir die Archäologen nach Hause schicken, weil sie an der anfechtbaren Carbon-Methode festhalten, wenn sie das Alter von Scherben etc. bestimmen wollen? Sollen wir den akademischen Archäologen böse sein, die jeden aus der Fakultät drängen, der die akademischen Datierungsmittel zu kritisieren wagt?
Dennoch: Die Astrologen und Astrologinnen sind m. E. die besseren Skeptiker.. Astrologie ist ständiges Forschen und (Sich-Selbst-) Infragestellen seit Jahrtausenden. Die Forschungsergebnisse sind enorm; sie mögen umstritten sein. Von der internationalen Skeptiker-Organisation „GWUP“ las ich in PM das erste Mal. Pardon!
Kritiker der Astrologie verschweigen gern, daß Philipp Melanchthon, Reformator, Gefährte und Mitstreiter Luthers, „praeceptor Germaniae“, Schöpfer unseres Schulwesens und Uni-Systems Astrologe war. In Wittenberg fand im letzten Quartal des Melanchthon-Jahres 1997 eine Ausstellung statt mit dem Titel „Melanchthon, Luther und die Astrologie“. Dort hatte jeder Gelegenheit, den Tierkreis mit humanistischen, abendländischen Denkbildern im Zusammenhang zu sehen.
Darf ich ein „Bild“ verwenden? Wenn ein großer Wirtschaftskapitän oder ein großer Politiker oder eine sonstige Person des öffentlichen Lebens auf der Höhe der Laufbahn bekennt, daß er/sie in der Jugend durch ein Buch von Camus, Sartre oder Proust geformt worden ist und er/sie nach dem Lesen des Buches dumme Angewohnheiten abgelegt hat und sein/ihr Leben in eine gute Bahn gebracht hat, ist doch sicher völlig unerheblich, ob das Buch ein Taschenbuch aus dem Antiquariat oder ein Leinenband aus der Top-Buchhandlung des Heimatortes war. Entscheidend war doch, daß er den richtigen Lesestoff zur richtigen Zeit bekam.

Anders ausgedrückt bzw. auf Astrologie bezogen: Solange es Menschen gibt, die weitererzählen, daß sie eine astrologische Beratung als wohltuend, ja, lebensweisend empfunden haben, solange ist mir um die Astrologie nicht bange.
Als Astrologe von heute bemühe ich mich als eine Art Coach um den durch Medien, Fremdbilder und Arbeitsstress belasteten Menschen von heute. Innerhalb der astrologischen Stellungnahme werden auf wohltuende und förderliche Art die Dinge des Lebens anhand des persönlichen Kosmogrammes besprochen.






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