Unser Weihnachtsengel

Eine Weihnachtsgeschichte von Christine Hartung-Czaja, 48 Jahre
© Nadine Haase - Fotolia.com

Tiere haben schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Und als ich später selbst Mutter war, änderte sich das auch nicht in der Familie.

Meine Töchter waren begeisterte Ponyreiter und sie machten regelmäßig „Agility“-Training mit fremden Hunden des ortsansässigen Vereins. Meine jüngste Tochter wünschte sich nichts sehnlicher als einen eigenen Hund, mit dem sie durch dick und dünn gehen konnte. Doch sie war erst fünf Jahre alt, als sie diesen Wunsch äußerte.

Als Jana sieben wurde, haben wir von einem Bauernhof eine Mischlingshündin übernommen, die von da an das Leben mit dem Kind teilte. Sie machten alles zusammen. Sie tobten, lachten und weinten gemeinsam. Die Hündin wuchs so eng mit meinem Mädchen zusammen, dass man die beiden nur gemeinsam sah. Sie wurden allerbeste Freundinnen.

Es folgten glückliche gemeinsame Jahre. Ich erinnere mich - außer, dass sie Erfolge in einigen Hundesportarten verbuchen konnte - daran, dass sie nach einer Auseinandersetzung ihren kleinen Koffer packte und mit ihrer Hündin auszog. Doch sie kamen nicht so entsetzlich weit. Hunger und Dunkelheit brachte sie am Abend gemeinsam wieder nach Hause.

Alles änderte sich schlagartig, als die Hündin erkrankte. Es war einer der ersten Novembertage, an dem wir den Tierarzt aufsuchten. Von da an waren wir mehrmals die Woche dort und versuchten alles, um der Hündin zu helfen. Jana war inzwischen elf Jahre alt und sie war immer an der Seite ihrer Hündin, wenn der Weg in die Tierarztpraxis anstand. Doch der Zustand der Hündin änderte sich nicht. Woche für Woche verschlechterte sich ihr Befinden und Jana blieb immer in ihrer Nähe.

Dann kam der Tag, an dem ich mit Jana zu Hause blieb und mein Mann mit der Hündin allein zum Tierarzt fuhr. Das Schrecklichste überhaupt war eingetreten. Wir mussten die Hündin in eine andere Welt gehen lassen. Inzwischen war es kurz vor Weihnachten und der Frost hatte es mehrere Tage unmöglich gemacht, den leblosen Körper zu beerdigen.

Jana trauerte und blieb bei ihrer toten Freundin. Sie saß da und weinte um sie. Sie erzählte ihr alle Geschichten, schrieb Briefe und malte Bilder, die sie ihr an die Seite legte. Das Kind schien entwurzelt und die Trauer über den Verlust ihrer Hündin war so unfassbar groß. Auch als der Körper unter der Erde lag, weinte sie stundenlang am Grab, saß auf der eiskalten Erde, redete mit der Hündin, sang dort ihre Lieder und legte Briefe und Bilder ab. Das Leben erschien ihr sinnlos ohne die geliebte Freundin. Monatelange, tiefste Trauer folgte und ich konnte nur hilflos zusehen.

Im Mai zog ein Welpe in unser Haus, den Jana vollständig ablehnte. Doch dieser Welpe, Tessa, führte Jana Stück für Stück zurück ins Leben. Es dauerte noch einige Monate, bis meine Tochter wieder völlig frei war und den Verlust verarbeitet hatte.

Heute, fünfzehn Jahre später, betreibt meine Tochter aktiven Tierschutz. Sie hilft denen, die keine Stimme haben, aber die sie doch verstehen kann. Und sie hat eine beste Freundin an ihrer Seite: Maya.

Auch dieses Weihnachten haben wir wieder einen besonderen Engel, an den wir in Liebe denken, und der ganz sicher auf der anderen Seite auf uns wartet: Ihr Name ist Lissy.

 

Diese Seite bewerten

  • Aktuelle Wertung: 4.5 von 5 Sternen
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 4.5/5 (4 Stimme/n)

Vielen Dank für Deine Bewertung!

Du hast bereits einmal gewertet, vielen Dank!

Deine Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Kommentare