Scheidung vor Weihnachten

Eine Weihnachtsgeschichte von Maria Stöllnberger, 52 Jahre
© Romolo Tavani - Fotolia.com

Mein oder besser gesagt, unser Leben hat sich letzte Weihnachten 2012 sehr verändert. Wir hatten drei Pflegekinder großgezogen, alle sind nun erwachsen und haben einen Beruf. Als unsere jüngste Tochter außer Haus war, sie war für acht Monate in Irland bei einer Familie, sagte mein Mann zu mir: „Für uns beginnt jetzt ein neues Leben. Die Kinder sind versorgt, wir können unser Leben jetzt ein bisschen genießen.

Ich habe inzwischen fünf Bandscheiben-OP hinter mir und lebe seit 2010 mit Morphium. Mir geht es so einigermaßen gut damit. Mein Mann arbeitet bei uns in der Nähe in der Firma Weber-Hydraulik. Er arbeitet dort sehr gerne, und die Arbeit macht ihm auch Spaß.
Im November kam unser älterer Sohn und sagte uns, dass sich seine Frau scheiden lassen will. Sie haben drei Kinder im Alter von 4, 5 und 6 Jahren. Die Kinder will sie beim Papa lassen, und sie geht nach Kärnten, wo sie ihre Jugendliebe hat. Sie meinte, sie habe mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen entschieden. Die Kinder will sie nicht aus dem gewohnten Leben herausreißen.

Es war dann drei Wochen später die Scheidung. Sie machte ihre Berufsausbildung fertig, und zu Weihnachten ist sie vom Ennstal nach Kärnten gezogen. Der ältere Sohn hat es vom Papa vier Tage vor dem Heiligen Abend erfahren, dass seine Mama wegziehen wird. Er war bei uns, weil er krank war. Am Abend hat er im Bett so bitterlich geweint und zu mir gesagt: „Oma, wieso geht meine Mama, wenn ich sie so lieb habe!“ Ich umarmte ihn und drückte ihn an mich. Wir weinten beide und wischten uns gegenseitig die Tränen weg.

Klemens sagte dann zu mir: „Oma, kannst Du für mich auch Mama sein? Oder geht das nicht?“ Ich sagte ihm: „Ich bin für Euch drei da und werde für Euch auch Mama sein.“ Er hat mich mit seinen traurigen und verweinten Augen angeschaut und seinen Kopf an meine Brust gelegt. Für uns waren es seit 32 Ehejahren die traurigsten Weihnachten.

Bei dem Weihnachtsevangelium, das mein Mann gelesen hat bei unserer Feier, wurde uns dies klar, wie es geheißen hat "Sie gebar einen Sohn".

Wir nehmen uns der drei Kinder an und hoffen, dass wir es schaffen. Sie sind bei uns, der Vater unterstützt uns. Unser Leben schaut jetzt ganz anders aus. Im Herbst sind die zwei Burschen in die Schule gekommen und das Mädchen besucht den Kindergarten. Die Kinder und auch wir machen eine schwere Zeit durch.

Abends, wenn wir unser Nachtgebet sprechen und „Danke, lieber Gott“ sagen, kommt sehr oft dieser Satz: „Bitte lieber Gott, sorge dafür, dass unsere Mami wieder zu uns zurück kommt.“

 

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