Das Lächeln zur Weihnachtszeit

Eine Weihnachtsgeschichte von Gabriele Haberl, 41 Jahre
Foto: Fotolia (Halfpoint)

Meine Geschichte beginnt in der Kindheit, da habe ich das wahre Weihnachten kennengelernt. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer gewundert, weil die Menschen, denen man auf der Straße begegnet, immer schlecht gelaunt sind, kein Lächeln auf den Lippen haben, und wegen jeder Kleinigkeit gab es überall, wo man hinsah, Streit, und die Gesichter sahen immer zum Fürchten für mich aus.

Eines Tages kurz vor dem Heiligen Abend, war ich mit meiner Mama einkaufen. Ich war damals 5 Jahre alt. Ich fragte meine Mama, warum die Leute nicht lächeln, da doch das Christkind kommt?

Mama schaute sich lange um und antwortete dann: „Schatzi, das wird sich bald ändern, du wirst sehen. Das passiert einmal im Jahr, und du wirst es sofort bemerken.“
Am Morgen des 24. Dezember durfte ich wieder mitgehen, die letzten Sachen besorgen fürs Weihnachtsessen. Und ich habe echt große Augen gemacht.

Mama hatte Recht, das schwöre ich bei Gott. Die Gesichter hatten sich tatsächlich verändert, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, da saß ein armer Bettler an unserer Ecke, sonst gehen die Leute vorbei, aber an diesem Tag war es total anders. Er bekam Essen und nette Worte. Ich bekam meinen Mund nicht mehr zu.

Jahre vergingen, jetzt bin ich erwachsen und selber Mutter und Oma, auch mir haben meine Kinder, als sie noch klein waren, dieselbe Frage gestellt und sie haben auch die Veränderung bemerkt. Es ist das Besondere, das diese Zeit ausmacht, sagte ich ihnen. Und das ist bis heute so geblieben. Diese kleinen Gesten, die immer nur zu Weihnachten vorkommen, wie etwa wenn Dir ein Mensch mit voll beladenen Armen die Tür aufhält, ein Weihnachtsgruß von einem vollkommen Fremden, ein geschenktes Lächeln beim Vorbeigehen der anderen.

Bei mir ist dieses warme Gefühl in dieser Jahreszeit immer noch so stark wie in meiner Kindheit. Ich leide an Depressionen, und zu Weihnachten sind sie immer besonders schlimm. Ich habe den Tod meines Papas noch immer nicht verwunden, aber wenn wir bei unserem Sänger sind und er seine Weihnachtssongs zum Besten gibt, ist der Schmerz für eine Weile vergessen.

So hat mich Weihnachten verändert.

 

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