Hilfe und Gegenhilfe?

Eine Weihnachtsgeschichte von Jörg Ballsieper, 44 Jahre
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Ihr möchtet wissen, wie sich das Leben von heute auf morgen verändert? Ich erzähl es euch...

Im Jahre 2010 wurde ich als Lkw-Fahrer zum zweifachen Lebensretter und das nur innerhalb eine halben Jahres. Zuerst habe ich in der Nacht im Februar eine junge Dame allein und ohne Hilfe aus dem sich vor mir auf der eisglatten Autobahn überschlagenden und auf dem Dach liegenden, zerbeulten Auto geborgen und in meine Fahrerkabine verbracht, bevor ich den Notruf abgesetzt habe. Der jungen Dame geht es heute gut.

Im Monat Juli stand ich mit meinem 40-Tonner auf der A3 bei Regensburg unter einer Brücke in Stau. Im Spiegel erkannte ich die Gefahr: Es kam ein anderer 40-Tonner von hinten angebraust. Da ich unter einer Brücke stand, hatte ich keine Chance, den LKW an die Seite zu fahren und da ich am Stauende stand, kam ich auch nicht mehr von da weg. Der herannahende Lkw rammte mich hinten links ungebremst und räumte die linke Fahrbahn auf 300 m komplett weg.

Ich wurde zwar auch verletzt, aber dennoch war ich der einzige auf der Autobahn, der bereit war, dem Unfallverursacher das Leben zu retten - unter Einsatz meines Lebens, da er im LKW zu verbrennen drohte. Er hat überlebt, sitzt aber nun im Rollstuhl. Dafür wurde ich mehrfach ausgezeichnet.

Am 28. Dezember 2011, also kurz nach Weihnachten, stand ich auch mit meiner Frau und unserem Sohn auf der B209 bei Adendorf am Stauende. Wir standen gerade mal zwei Minuten mit Warnblinkanlage, als ein anderes Auto von hinten ungebremst in das Heck unseres Pkw´s fuhr. Es war ein Höllen-Krach, und trotz des angelegten Sicherheitsgurtes habe ich einen fürchterlichen Schlag im Kopf verspürt. Frau und Kind haben alles besser als ich überstanden.

Die nächsten Monate verbrachte ich in vier verschiedenen Krankenhäusern, hatte eine schwere Kopf-OP und bin jetzt 60 Prozent schwerbehindert sowie gehbehindert. Ich habe durch diesen Unfall meinen Job als Lkw-Fahrer verloren, unsere Wohnung mussten wir ebenfalls aufgeben und sind nun Hartz4-Empfänger.

Ich bin seit 23 Jahren unfallfrei 40-Tonner gefahren, und nun muss ich um jeden Euro kämpfen, ernte Hohn und Spott von den Behörden ... Ich kämpfe derzeit darum, meinen Führerschein zu behalten, da ich gerne wieder fahren würde! Ich habe und werde nicht aufgeben und möchte anderen Unfallopfern Mut machen, für die Gesundheit zu kämpfen. Denn ich saß im Rollstuhl und heute laufe ich wieder!

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