Was ist das I Ging?

„Du musst unbedingt das I Ging lesen. Ich will nicht darüber reden, nur soviel: Es ist das Einzige, was fantastisch wahr ist. Du liest es, und du weißt einfach, dass es wahr ist. Es ist etwas, an das man glauben kann.“ (Bob Dylan)

Den meisten Menschen ist das I Ging als altes chinesisches Stengel- oder Münzorakel bekannt. Doch es ist vielmehr als das und besitzt tiefschichtige Bedeutungsebenen. Es ist eines der ältesten und wichtigsten Weisheitsbücher Chinas und gilt als eines der ältesten Schriftstücke der Welt. Übersetzt heißt I Ging (es existieren auch die Schreibweisen I Ching und Yijing), das „Buch der Wandlungen“. Es besteht aus den sogenannten 64 Hexagrammen (symbolhafte Zeichen aus je sechs Yin und Yang Linien) und einer umfangreichen Sammlung von Texten und Kommentaren verschieder Autoren. Das I Ging ist geprägt von den philosophischen Strömungen des alten Chinas. Der Taoismus und der Konfuzianismus haben hier ihre geistigen Wurzeln.

Das "Buch der Wandlungen" diente zunächst vor allem als Ratgeber für Bauern, die es in Belangen der Landwirtschaft und Fischerei befragten. Im Laufe der Jahre wurde es aber auch zunehmend als Orakel für andere Lebensfragen, als moralische Instanz und hilfreicher Ratgeber verwendet.

Auch heute noch klärt uns das I Ging über die Gesetzmäßigkeiten der Natur auf und kann uns bei wichtigen Lebensfragen helfen. Es macht Wege sichtbar, wie wir im Einklang mit der Natur leben und mit dem Strom des Lebens fließen können. Bei der Beschäftigung mit dem I Ging, werden uns unserer Gefühle, unsere Ziele im Leben und unser Lebenswandel bewusster. Es schärft die Sinne für das nicht Greifbare und Sichtbare, das aber doch immer unser Leben begleitet und bestimmt. Es ist eine Anleitung, mit dem stetigen Wandel, dem Tao, zu leben, ihn zu akzeptieren und anzunehmen. Wer im Einklang mit dem Tao lebt, entwickelt sich weiter, schafft Wachstum und ist mit sich selbst im Reinen.

Das I Ging sagt nicht die Zukunft voraus. Doch es zeigt uns, welche Handlungen welche Folgen haben können. Zu bewerten, ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist, bleibt dem Menschen selbst überlassen. Das I Ging ist ein Ratgeber und Begleiter im Leben. Es zeigt nicht unser Schicksal, sondern fordert uns auf, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und unseren Lebensweg bewusst zu gehen.

Besonders wichtig für die Auseinandersetzung im europäischen Raum mit dem I Ging, ist die Übersetzung des „Buch der Wandlungen“ des deutschen Sinologen Richard Wilhelm, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Missionar in China unterwegs war. Er beschäftigte sich intensiv mit dem I Ging und schuf die bis heute noch bedeutendste Übersetzung (für alle die sich für sein Werk interessieren: im Rahmen des Gutenberg Projektes findet sich für alle online die Übersetzung zum Nachlesen und Studieren: http://gutenberg.spiegel.de/buch/1325/1). Wer sich intensiv mit dem „Buch der Wandlungen“ beschäftigen möchte, sollte unbedingt auch diese Übersetzung heran ziehen.

Als Abschluss dieser kleinen Einführung dient ein Zitat Hermann Hesses: „Man kann es als Orakelbuch benutzen, um in schwierigen Lebenslagen Rat zu bekommen. Man kann es auch nur der Weisheit wegen lieben und benutzen ... Dort steht alles, was gedacht und was gelebt werden kann.“

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