Handlesen

Eine Wahrsagekunst mit langer Tradition
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Schon immer faszinierten die Hände den Menschen. Bereits in der griechischen und römischen Antike war Handlesen ein Bestandteil der Gesellschaft und Gelehrte wie Aristoteles beschäftigten sich mit der sogenannten Chiromantie (cheir = griechisch Hand und manteia = griechisch Weissagung). Das Handlesen war ein fester Bestandteil der okkulten Wissenschaften.
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zu diesem Thema wurden jedoch hauptsächlich erst ab dem 12. Jahrhundert verfasst. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits eine enge Verbindung zur Astrologie, die sich auch heute noch in den Techniken und Systemen des Handlesens zeigt.  

Im Mittelalter wurde Handlesen in allen Gesellschaftssichten praktiziert. Die Zukunftsvorhersage wurde dabei vor allem vom fahrenden Volk ausgeübt und wurde eine Attraktion auf Jahrmärkten. Doch auch Mitglieder der Oberschicht suchten oft den Rat eines Handlesers und Astrologen.

Die mittelalterlichen Schriften untersuchten vor allem die Zusammenhänge der individuellen Beschaffenheit der Hände und der Schlussfolgerung auf den Charakter des Menschen. Als besonders wichtiges Werk sei hier „Das Buch aller verbotenen Kunst“ des deutschen Arztes Johannes Hartlieb genannt, der sich darin unter anderem mit der Chiromantie beschäftigte.

Die auch noch heute erkennbare Verbindung zwischen Astrologie und Handlesen wurde im Laufe des Mittelalters enger.

Mit Beginn der Renaissance im späten 14. Jhr. und frühen 15. Jhr. und dem Erblühen der Wissenschaften beschäftigte sich die Medizin zunehmend mit den verschiedenen Erscheinungsformen der Hände. Das Interesse der Ärzte lag vor allem darin, mit Hilfe der verschiedenen Formen und Linien der Hände auf den Gesundheitszustand des Menschen und mögliche Krankheiten zurückzuschließen. Das Wahrsagen mit Hilfe der Hände verlagerte sich in dieser Zeit vor allem auf die Jahrmärkte, wurde aber weiterhin auch von einigen, wenn auch wenigen, Gelehrten verfolgt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Handlesen zunehmend populärer. Selbst Herrscher wie Napoleon I. sollen einen Handleser aufgesucht haben.

Heute wird zwischen der Chiromantie, der Wahrsagekunst, und der Chirologie unterschieden. Während in ersteren Zukunftsaussagen getroffen werden, werden in der Chirologie Zukunftsprognosen eher vermieden. In dieser Form des Handlesens geht es mehr um das Erkennen von Charaktereigenschaften des Menschens und soll bei Lebensentscheidungen eine wertvolle Hilfe sein. In der sogenannten Chirosophie werden beide Formende des Handlesens zusammengefasst. Die Begriffsgrenzen sind jedoch eher wage und es gibt fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Methoden.

Wie kann man aus der Hand lesen?

Alles über das Handlesen

Zur Deutung nimmt man meist die linke Hand. Hier zeigen sich die Anlagen, die der Mensch seit seiner Geburt in sich trägt. Sie steht für das Unbewusste. Die rechte Hand hingegen zeigt, wie sein bisheriges Leben verlaufen ist und was der Mensch aus seinen Anlagen gemacht hat. Bei Linkshändern nimmt man die jeweils andere Hand für die Deutung.

Herangezogen zur Deutung wird die gesamte äußere Erscheinung der Hand. Von der Größe, über die Handform, Fingerform- und größe.

Ein kurzer Zeigefinger beispielsweise deutet an, dass der Mensch eher weniger Ehrgeiz hat. Ein langer hingegen steht für einen ehrgeizigen Menschen. Ist er zudem dick, so kann man auf einen sinnlichen Menschen zurückschließen.

Des Weiteren werden die Handlinien analysiert. Hier sind die Lebenslinie, Kopflinie, Herzlinie, Apollolonie, Saturnlinie sowie weitere, aber eher nebensächliche Linien, zu nennen. Die Lebenslinie steht für Vitalität und Energie. Ist sie durchgängig klar sichtbar, so deutet das auf einen sehr gesunden und energischen Menschen hin. Ist sie hingegen teilweise schwach oder unterbrochen, so hat dieser Mensch mit einigen Lebensphasen zu kämpfen, die ihm viel Energie kosten. Aus ihr kann man übrigens nicht erkennen, wie lange man lebt. Vielmehr deutet eine kurze Lebenslinie auf einen Menschen hin, der viel Entspannung und Ruhephasen braucht. Meditation könnte eine gute Möglichkeit sein, die leeren Akkus wieder aufzuladen.

Die Kopflinie steht für die Vernunft. Ist sie eher schwach, so handelt es sich um einen Menschen, die lieber zur Tat schreitet, als in seinem stillen Kämmerlein zu sitzen und zu grübeln. Eine ausgeprägte Kopflinie steht für einen intellektuellen Menschen. Wie der Name auch wieder vermuten lässt, steht die Herzlinie für das Gefühl. Verläuft sie deutlich und klar, ist der Mensch sehr gefühlvoll.

Auch fließen die verschiedenen Erhebungen der Handfläche (Berge) mit in das Handlesen mit ein. Hier erkennt man die enge Verbindung des Handlesens zur Astrologie. Sie heißen Merkurberg, Apolloberg, Saturnberg und Jupiterberg und sind allesamt unterhalb der Finger zu sehen. Unterhalb des Daumens sitzt der Venusberg, daneben der Mondberg und zwischen Mond- und Merkurberg der Marsberg. Auch die Ebene, die zwischen den Erhebungen ensteht, wird betrachtet. Sie nennt sich Marsebene.

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