Das Orakel von Delphi

Eines der bekanntesten Orakel aus der griechischen Antike ist das Orakel von Delphi. Dabei handelt es sich um ein Heiligtum, nahe der Stadt Delphi, dass dem griechischen Gott Apollon gewidmet war. Heute befinden sich dort nur noch einige Ruinen.

Dem antiken Mythos nach, war Apollon, der als einer der wichtigsten Götter der Griechen und Römer sowie Hauptgott der prophetischen Weissagung galt, auf der Suche nach einem geigneten Orakel. Dabei gelangte er an einem Ort, an dem die mit hellseherischen Kräften versehene Schlange Phyton lebte. Diese bewachte für ihre Herrin und Mutter Gaia, der Göttin der Erde, eine Felsspalte. Apollon tötete die Schlange und durch das vergossene Blut wurden die Kräfte der Schlange auf die Stätte und die Erdspalte übertragen. Von der Spalte aufsteigende Erddämpfe sollten den Menschen hellseherische Kräfte verleihen.

In der auf diesem Mythos basierende Kultausübung wurde eine Frau auserwählt, die auf einem dreibeinigen Stuhl über der Spalte sitzend, die Felsöffnung bewachen sollte. Atmete sie die Dämpfe ein, geriet sie in einen Trancezustand und konnte so das Orakel durch sich sprechen lassen. Zu Ehren Gaias und der Schlange wurde sie Phytia genannt.
 
Zunächst sprach Phytia Orakelsprüche nur einmal jährlich zu Ehren Apollons Geburtstag, im Laufe der Zeit aber am jedem Siebten eines Sommermonats. Zudem eröffneten die Griechen zu Ehren Apollons und Phytias die jährlichen „phytischen Spiele“, ein zunächst musikalischer und später auch sportlicher Wettkampf.

Im Laufe der Geschichte wurde die Tempelanlage in Delphi auch zu einem der bedeutendsten politischen Orte der Griechen. Viele Politiker und wichtige Persönlichkeiten kamen als Ratsuchende zum Tempel und brachten wertvolles Wissen in die dort ansässige Priesterschaft.
Ende des 4. Jhr. war es jedoch mit dem Kult um Apollon und Phytia vorbei: Kaiser Theodosius I. erklärte das Christentum zur alleinigen geltenden Religion und verbot sämtliche heidnischen Kulte. Die Tempelanlage wurde geschlossen.

Der Orakelspruch der Phytia wurde von wichtigen rituellen Handlungen begleitet. Nur wenn ein bestimmtes Omen erschien, durfte das Orakel befragt werden (hierzu diente oft eine Ziege, die mit Wasser besprengt wurde, zeigte sie eine Reaktion, konnte das Ritual beginnen). Zeigte sich das Omen, konnte Phytia sich in einem Bad reinigen, heiliges Wasser trinken und war anschließend bereit die Dämpfe aus der Erdspalte einzuatmen, die sie in den Trancezustand brachten. Nun duften einige auserwählte Menschen ihre Frage stellen. Die Antworten blieben oft rätselhaft und es wird vermutet, dass die Priester des Tempels sie interpretierten.

Weitere antike Orakel sind bekannt. Darunter das Orakel von Dodona des Gottes Zeus, Ephyra, Klaros in der Türkei und die Oase Siwa in Ägypten.

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